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Das mache ich wirklich so?

In der Kaiserlodge am Wilden Kaiser filmt jemand, wie du schwimmst. Was danach passiert, verändert oft mehr als das nächste Trainingslager.

Es gibt einen Moment, der sich fast immer gleich abspielt. Der Gast steigt aus dem Wasser, setzt sich neben Philipp Zimmermann an den Beckenrand, schaut auf den Bildschirm – und sagt: „Das mache ich wirklich so?"

Zimmermann kennt den Satz. Er ist Gründer von PERFORMANCE ZONE, diplomierter Triathlon-Trainer für Schwimmen, Radfahren und Laufen, dazu Diplom im Bereich Ernährung. Seit 2015 hat ihn der Sport gepackt, heute betreut er rund dreißig Athletinnen und Athleten mit individuellen Plänen – vom Marathon über Radrennen bis zum Ironman. In der Kaiserlodge und im benachbarten Hotel Kaiser macht er das, was den beiden Häusern eine Sonderstellung verschafft: Er schaut hin.

Philipp Zimmermann_PerformanceZone_Pool_Kaiserlodge_03
Philipp Zimmermann_PerformanceZone_Pool_Kaiserlodge_03

Warum du deine eigene Bewegung nicht sehen kannst

Schwimmen passiert zum großen Teil unbewusst. Wer den Kopf beim Atmen zu weit anhebt, merkt das nicht – er merkt nur, dass es anstrengend ist. Asymmetrien zwischen linkem und rechtem Armzug, zusätzlicher Widerstand durch eine leicht abgesunkene Hüfte: alles Dinge, die im Wasser schlicht nicht wahrnehmbar sind. „Genau hier hilft das Video enorm", sagt Zimmermann. „Es macht Bewegungen sichtbar, die man selbst während des Schwimmens nicht sehen kann."

Eine Analyse dauert siebzig Minuten und beginnt nicht im Becken, sondern im Gespräch. Wo stehst du gerade, was willst du erreichen, wo zwickt es. Danach geht es ins fünfundzwanzig Meter lange Sportbecken, aufgenommen wird über Wasser und je nach Fragestellung auch darunter. Angeschaut werden Wasserlage, Körperposition, Armzug, Beinschlag, Atmung, Kopfposition, die Koordination von allem. Dann setzt man sich zusammen vor das Video, und Zimmermann erklärt nicht nur, was zu sehen ist, sondern warum eine bestimmte Bewegung Leistung kostet.

Und dann geht es sofort zurück ins Wasser. Genau dieser Wechsel ist der Kern: sehen, verstehen, ausprobieren. „Der Athlet soll am Ende nicht nur wissen, was er anders machen soll, sondern es auch selbst spüren."

Die immer gleichen drei

Beim Schwimmen tauchen fast immer dieselben Baustellen auf: die Wasserlage, die Kopfposition und das Timing zwischen Atmung und Armzug. Beim Laufen sind es fehlende Stabilität in der Beinachse, eine ineffiziente Körperhaltung und ein Laufstil, der unnötig Energie verbrennt.

Das gilt übrigens nicht nur für Anfänger. Technikfehler werden mit steigendem Niveau kleiner, verschwinden aber nicht – und kleine Fehler kosten überproportional viel Effizienz. Der eigentlich interessante Punkt ist ein anderer: „Zwei Menschen können auf den ersten Blick den gleichen Fehler machen, aber die Ursache kann bei beiden völlig unterschiedlich sein." Deshalb hilft kein Standardprogramm.

Wie das konkret aussieht, zeigt ein Fall aus der Praxis. Ein Athlet trainierte regelmäßig, hatte aber das Gefühl, im Wasser nicht voranzukommen und schnell müde zu werden. Auf dem Video war zu sehen: Die Körperposition erzeugte deutlich mehr Widerstand als nötig, dazu kam eine ungünstige Kopfbewegung beim Atmen. Zwei kleine technische Korrekturen, ein paar gezielte Übungen – und noch in derselben Einheit fühlte sich das Schwimmen leichter an.

Was siebzig Minuten bringen, und was nicht

Hier wird Zimmermann konkret, und das ist bemerkenswert. Viele Athleten schwimmen nach einer guten Technikeinheit die hundert Meter rund zehn Sekunden schneller – und dabei entspannter als vorher. Was sich in einer Stunde verändern lässt, ist vor allem das Bewusstsein für die eigene Bewegung und oft direkt das Bewegungsgefühl.

Was nicht in siebzig Minuten geht: eine dauerhafte Veränderung. Neue Bewegungsmuster müssen wiederholt, automatisiert und unter Belastung gefestigt werden. Das braucht Wochen und Monate. Wer eine Analyse als Abkürzung versteht, versteht sie falsch.

Draußen laufen, nicht auf dem Band

Die Laufanalyse dauert ebenfalls siebzig Minuten und findet ausschließlich im Freien statt – bewusst. Auf dem Laufband läufst du anders als auf dem Weg hinter dem Haus. Nach einem Aufwärmprogramm mit individuell abgestimmten Lauftechnikübungen wird das natürliche Laufverhalten unter realen Bedingungen aufgenommen: Laufstil, Fußaufsatz, Beinachse, Knie- und Hüftbewegung, Körperhaltung, Symmetrie.

Was dabei nicht passiert: dass jemandem ein Ideallaufstil übergestülpt wird. „Jeder Mensch bewegt sich etwas anders. Entscheidend ist, herauszufinden, was bei der jeweiligen Person effizient funktioniert."

Dazu kommt die Schuhberatung, und die läuft anders, als du es aus dem Sportgeschäft kennst. Nicht der beste oder teuerste Schuh ist die Frage, sondern der passende – zu diesem Bewegungsmuster, diesem Umfang, diesem Einsatzbereich. Deshalb schaut Zimmermann sich die Schuhe in der Bewegung an. Der häufigste Irrtum? Dass ein Laufschuh möglichst stark gedämpft oder besonders stabil sein muss. Oder dass man sich für den Schuh entscheidet, der sich beim Anprobieren im Stehen gut anfühlt. „Beim Laufen kann das ganz anders aussehen."

Und noch etwas, das man selten hört: Zimmermann sagt auch, wem er nicht hilft. Bei akuten Verletzungen oder starken Schmerzen schickt er erst zur medizinischen oder physiotherapeutischen Abklärung. Ein Techniktraining ersetzt keine Behandlung. Für alle anderen – Einsteiger, ambitionierte Hobbysportler, Erfahrene – lohnt der objektive Blick.

Was sonst noch im Haus passiert

Diese Haltung zieht sich durch beide Häuser. Trainiert wird in der Kraftschmiede, rund dreihundert Quadratmeter, rund um die Uhr geöffnet, mit Cardiobereich, Kraftbereich samt Freihanteln und Kraftstationen und einer eigenen Zone für Stretching, Faszien und funktionelles Training.

Das zweite Zentrum heißt Sonnendeck: ein Yogaloft mit warmen Holzböden, Leinenstoffen und viel Tageslicht. Dort hängen acht Tücher von der Decke – sieben für Gäste, eines für die Trainerin. In diesen Tüchern findet Aerial Yoga statt: Man sitzt darin, legt sich hinein, lässt sich tragen. Das Tuch nimmt einen Teil des Körpergewichts ab, wodurch manche Haltungen leichter werden, andere deutlich fordernder – und am Ende jeder Stunde verlässt man den Boden ganz. Dafür musste eigens eine Verankerung in die Decke eingebaut werden; Aerial Yoga bekommt man nicht nachträglich in einen Seminarraum gehängt. Lili Spatz unterrichtet jeden Donnerstag, kostenfrei für Gäste beider Häuser. Geeignet ist es nicht für jeden, und die Kaiserlodge nennt die Einschränkungen offen.

Montags gehört das Sonnendeck zuerst Katharina Faistenauer und BODEGA moves – einem funktionalen Ganzkörperworkout, das Bodyshaping mit kraftvollen Elementen aus dem Power Vinyasa Yoga verbindet. Der Aufbau ist durchdacht: Mobilisation zum Warmwerden, dann zwei Flows mit Sonnengruß, Krieger und funktionellen Übungen für Beine, Gesäß, Bauch und Rücken, am Ende Meditation und Visualisierung aus dem Mentaltraining.

Zwei Stunden später übernimmt Stefanie Antony mit Pilates – und auch hier lohnt der genaue Blick. Sie unterrichtet nach der Methode des Australian Physiotherapy & Pilates Institute, gegründet von Physiotherapeuten, die erkannt hatten, welche Rolle Pilates in Prävention und Rehabilitation spielt. Die 34 ursprünglichen Matwork-Übungen von Joseph Pilates aus den 1920er Jahren wurden dafür anhand biomechanischer, anatomischer und klinischer Forschung überprüft und angepasst. „Bei APPI wurden die Ansätze von Pilates an den Lebensstil des heutigen Zeitalters angepasst", sagt Antony – Stichwort Computerzeitalter, Stichwort Sitzen. Herausgekommen ist ein System, mit dem heute Therapeuten, Krankenhäuser und professionelle Sportteams arbeiten. Auf der Matte im Sonnendeck heißt das: wissenschaftliches Wissen im traditionellen Pilatesrahmen, mit dem Ziel einer besseren Körperhaltung, langer Muskulatur, Kraft und Beweglichkeit.

Wer tiefer einsteigen will, findet über den Herbst mehrere Retreats: das Body & Mind Mountain Retreat Mitte Oktober mit Yoga, Pilates, BODEGA und Mentaltraining, Anfang November das Wilder Kaiser Pilates Retreat und Mitte Dezember das Snow & Flow Retreat, das Yoga mit Skifahren und Schneeschuhwandern kombiniert.