Härter ist nicht besser: Was zwei Ex-Profis aus Südtirol Hobbysportlern raten
Das Shirt klebt, die Beine zittern, und auf dem Weg zur Dusche stellt sich dieses zufriedene Gefühl ein: Heute hast du alles gegeben. Für viele Freizeitsportler ist genau das der Maßstab für ein gutes Training. Michael Messner sieht das anders. „Du musst nicht in jedem Training an deine Grenzen gehen, um besser zu werden“, sagt der ehemalige Eishockeyspieler. „Nur weil du nach einem Training nicht komplett ausgepowert bist, bedeutet das nicht, dass es kein gutes Training war.“
Gemeinsam mit seiner Schwester Kathrin Messner führt er das Sporthotel Zoll in Sterzing in Südtirol. Seit Juni 2026 ist das Familienhotel konsequent auf Training, Regeneration und Ernährung ausgerichtet. Was die beiden dort vermitteln, haben sie selbst im Leistungssport gelernt, und vieles davon kannst du direkt in dein eigenes Training übernehmen.
Zwei Karrieren im Leistungssport
Michael Messner wechselte mit 15 in die höchste deutsche Juniorenliga DNL zu den Starbulls Rosenheim. Danach spielte er zwölf Jahre vor allem für die Sterzing Broncos in der Serie A, der Serie B und der Alps Hockey League. Mit den italienischen Jugendnationalteams nahm er an vier Weltmeisterschaften teil.
Kathrin Messner spielte im Mittelfeld, unter anderem für den CF Südtirol bis in die italienische Serie A. Sie studierte Tourismus-, Sport- und Eventmanagement in Bozen, mit einem Semester in Kanada, und hat Ausbildungen im Fitness- und Gesundheitstraining sowie in der Sporternährung bis zur A-Lizenz abgeschlossen.
Ihre Zeit im Damenfußball hat sie auch deshalb geprägt, weil vieles fehlte. „Training, Ernährung und Regeneration waren damals noch längst nicht so professionell aufeinander abgestimmt wie heute“, erinnert sie sich. Prävention und gezielte Erholung spielten kaum eine Rolle, die Verletzungsanfälligkeit war hoch.
Leistungsdiagnostik: Warum Training ohne Messung ins Leere laufen kann
Den häufigsten Fehler im Gym beobachtet Michael Messner ausgerechnet bei motivierten Sportlern: Sie trainieren regelmäßig, aber ohne klare Struktur. Entscheidend ist, dass die Einheiten aufeinander aufbauen, die Belastung sinnvoll gesteuert wird und du über Monate dranbleibst.
Dafür brauchst du einen Ausgangspunkt. „Nur wenn ich weiß, wo ich aktuell stehe, kann ich erkennen, woran ich arbeiten muss“, sagt Michael Messner. Dazu kommt, dass nicht jeder Trainingsansatz bei jedem gleich gut funktioniert. Erst eine zweite Messung zeigt, ob dein Training wirkt oder ob du etwas ändern musst. „Hart zu trainieren ist das eine. Zu wissen, ob du damit auch besser wirst, ist das andere.“
Was eine Leistungsdiagnostik sichtbar macht, geht weit über das Körpergewicht hinaus. Eine Körperanalyse trennt Muskel-, Fett- und Wasseranteil. Ein Bewegungsscreening zeigt, wo Beweglichkeit oder Stabilität fehlen. Kraftmessplatten erkennen, ob ein Bein deutlich mehr leistet als das andere, und eine Spiroergometrie bestimmt die Pulsbereiche, in denen du deine Ausdauer tatsächlich verbesserst.Gerade die letzten beiden Werte sind für Hobbysportler oft aufschlussreich. Seitenunterschiede in der Kraft fallen im Alltag kaum auf, können aber auf Dauer einseitige Belastungen begünstigen. Und viele, die regelmäßig laufen oder Rad fahren, trainieren ihre ruhigen Einheiten zu intensiv, weil sich langsam nicht nach Training anfühlt. Mit gemessenen Zonen weißt du, wann locker wirklich locker sein darf.
Ernährung: Was dein Körper braucht, statt was du weglässt
Auch beim Essen denken Profis anders. „Sie betrachten Ernährung viel stärker als Teil ihres Trainings“, sagt Kathrin Messner. Im Freizeitsport stehe dagegen oft das Körpergewicht im Vordergrund. Dabei braucht jeder, der trainiert, ausreichend Energie, Kohlenhydrate für volle Speicher und Protein für die Muskulatur.
Für den Alltag empfiehlt sie das Tellerprinzip: Die Hälfte des Tellers besteht aus Gemüse und Obst, ein Viertel aus eiweißreichen Lebensmitteln und ein Viertel aus kohlenhydratreichen Beilagen. Kalorienzählen ist dafür nicht nötig. Starr ist das Prinzip aber nicht: An intensiven Trainingstagen braucht vor allem ein Ausdauersportler mehr Kohlenhydrate, um seine Speicher wieder zu füllen.
Krafttraining: stärker statt nur straffer
Krafttraining gehört für Kathrin Messner zu den wichtigsten Bausteinen überhaupt, weil es die Körperzusammensetzung verbessert, die Knochen stärkt und die Leistungsfähigkeit bis ins Alter erhält. Besonders Frauen seien oft zurückhaltend, erzählt sie, aus Sorge, durch schwere Gewichte zu muskulös zu werden. Ihr Rat an alle: regelmäßig und mit sinnvoller Steigerung Kraft trainieren, ruhig mit Gewichten, die dich fordern. „Es geht darum, stärker, belastbarer und langfristig gesund zu bleiben“, sagt sie.
Regeneration: wo die eigentliche Anpassung passiert
Für Kathrin Messner ist Erholung kein Zusatz zum Training, sondern ein Teil davon. „Im Training setzen wir den Reiz, aber die eigentliche Anpassung findet in den Erholungsphasen statt.“ Michael Messner ergänzt einen Punkt, den Hobbysportler gerne übersehen: Manchmal ist es klüger, das geplante Training an die Tagesform anzupassen, statt es stur durchzuziehen.
Im Sporthotel Zoll gehört das Recovery Lab mit Kälte- und Wärmeanwendungen deshalb täglich zum Programm, ergänzt durch die Sauna mit geführten Aufgüssen. Ziel ist nicht, möglichst viele Anwendungen zu absolvieren, sondern die Balance zwischen Belastung und Erholung zu finden.
Ein Trainingshotel in Südtirol mit klarer Haltung
Dass seit dem Umbau niemand mehr ohne Sportprogramm bucht, war eine bewusste Entscheidung, auch wenn sie die Zielgruppe verkleinert. Der Aufenthalt beginnt je nach Programm mit einer Diagnostik und endet mit einem Plan für zu Hause. Nach acht Wochen folgt ein Gespräch mit dem Coach.
Perfektion erwartet Michael Messner in dieser Zeit nicht. Wichtiger sei, dass Gäste verstehen, was ihnen guttut, und es dauerhaft in ihren Alltag einbauen, statt nach acht Wochen in alte Gewohnheiten zurückzufallen.
Vielleicht ist das die wertvollste Lektion aus dem Leistungssport: Fortschritt entsteht nicht an dem Tag, an dem du alles gibst, sondern in den vielen Wochen, in denen du klug dranbleibst.
Häufige Fragen
Was wird bei einer Leistungsdiagnostik gemessen?
Je nach Verfahren werden Körperzusammensetzung, Bewegungsqualität, Kraft und Seitenunterschiede sowie die Ausdauerleistungsfähigkeit samt individueller Trainingsbereiche erfasst. Daraus lässt sich ein Trainingsplan ableiten, der zu deinem Ausgangsniveau passt.
Muss man in jedem Training an seine Grenzen gehen?
Nein. Fortschritt entsteht durch gut dosierte, aufeinander aufbauende Einheiten und ausreichende Erholung. Ein Training kann wirksam sein, auch wenn du danach nicht komplett erschöpft bist.
Wie sieht ein ausgewogener Teller für Sportler aus?
Eine einfache Orientierung ist das Tellerprinzip: halb Gemüse und Obst, ein Viertel eiweißreiche Lebensmittel, ein Viertel kohlenhydratreiche Beilagen. An intensiven Ausdauertagen darf der Kohlenhydratanteil höher sein.
Werden Frauen durch Krafttraining zu muskulös?
Diese Sorge ist weit verbreitet. Gezieltes Krafttraining mit sinnvoller Steigerung verbessert vor allem die Körperzusammensetzung, stärkt die Knochen und erhält die Leistungsfähigkeit langfristig.
Warum ist Regeneration so wichtig?
Im Training setzt du den Reiz, die Anpassung des Körpers findet in den Erholungsphasen statt. Ohne ausreichende Regeneration steigen das Risiko für Überlastungen und die Gefahr, dass Fortschritte ausbleiben.
Wer führt das Sporthotel Zoll in Sterzing?
Die Geschwister Michael und Kathrin Messner, beide ehemalige Leistungssportler aus Eishockey und Fußball. Seit Juni 2026 ist das Hotel ganz auf Training, Regeneration und Ernährung ausgerichtet, jede Buchung beinhaltet ein Sportprogramm.